Angenommen, ein rentenreifer Iraker, nennen wir ihn Saddam H., reiste mit der zu allem entschlossenen Absicht, endlich „die Wahrheit herauszubekommen“ (O-Ton J. Todenhöfer am 3. März 2008 bei 3sat), nach Deutschland, sagen wir: nach Wanne-Eickel. Dort findet er Unterschlupf bei einer Familie, die dafür bekannt ist, daß sie an den gegenwärtigen politischen Zuständen ihres Landes kein gutes Haar läßt und dem Besucher dann auch prompt fünf Tage lang, unterstützt vom A-Capella-Chor gleichgesinnter Nachbarn, Bekannten und einschlägig beleumdeten „Experten“, exakt die Klagelieder über ihr Land vorsingt, die zu hören der Zweck seiner Reise war.
Wieder zu Hause, konfrontiert unser Reisender seine schockstarren Landsleute (sowie den Rest der Welt) in TV- und Radiosendern, Printmedien und Internetportalen, Kinospots, Anzeigenkampagnen und landesweiten Plakatierungen mit einem Megagau medialer Desinformation: „He, Leute, die Journaille hat euch fünf Jahre lang ein total gefaktes Bild aufgetischt. Deutschland, die gesamte westliche Welt ist ganz anders, als sie von den Medien dargestellt wird. Ich habe ganze fünf Tage gebraucht, um die Wahrheit herauszufinden. Hier ist sie!“
Wetten, daß unserer naßforscher Reisender vom medialen Echo auf seine „Wahrheit“ – in der es vor Voreingenommenheit, Widersprüchen, Klitterungen, Zurechtbiegungen und Faktenvergewaltigungen nur so quietscht –, über Nacht zur peinlichen Lachnummer geschrumpft wäre.
Doch leider befinden wir uns nicht im Irak. Sondern in einem Land, dessen Medien beim Thema „Krieg“, vulgo „Irakkrieg“ mittlerweile sämtliche professionellen Sicherungen durchgebrannt sind. Und so durchleiden wir einmal mehr das belämmernde Trauerspiel, wie ein ganzer Berufstand angesichts einer von jedweden Skrupeln und Differenzierungen unbehelligten globalen PR-Kampagne eines egomanischen Zeitgeistprofiteurs als Stichwortgeber, Mikrofonhalter und rezensierende Zuatmer handwerklich bankrott geht.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" etwa nennt Todenhöfer "einen Mann der Zahlen"? Die Wahrheit ist, daß "der gepflegte ewige Student" mit Zahlen entlarvend auf Kriegsfuß steht. So behauptet er, seit Beginn des Irakkrieges seien "1,2 Millionen Zivilisten" getötet worden (fr-online, 19.03.2008) und nennt als Quelle für seine alle bisherigen Hochrechnungen ums Vielfache übersteigende Horrorzahl "das unabhängige britische Forschungsinstitut ORB". Abgesehen davon, daß sich das angebliche Forschungsinstitut als stinknormale Marketingfirma entpuppt ("Cinema Advertising", "Financial Services") -, in seinem antiamerikanische Furor hat Zahlenakrobat T. geflissentlich darüber hinweggesehen, daß die Londoner Marketingleute ihre wissenschaftlich mehr als fragwürdige Hochrechnung mittlerweile um fast 200 000 Tote nach unten korrigiert haben.
Schlimmer noch: Während die Londoner jeden zweiten Toten terroristischen Anschlägen bzw. unklaren Ursachen zurechnen, schiebt Todenhöfer, wie er auf dem "Blauen Sofa" der Leipziger Buchmesse offenbarte, seine 1,2 Millionen Ziviltoten komplett den "150 000 amerikanischen offiziellen Soldaten" sowie "150 00 outgesourcten privaten Soldaten" in die Schuhe. Denn merke: Diese "300 000 Mann kämpfen nach wie vor gegen die irakische Bevölkerung".
Gebetsmühlenhaft darf Fünf-Tage-Tourist T., wie immer von kritischen Fragen unbehelligt, auf sämtlichen Kanälen posaunen, „die Amerikaner“ hätten bei der Bevölkerung nicht nur „jede Sympathie verloren“, auch die „Zustimmung zum Widerstand“ nehme „täglich zu“. Daß 150 professionelle Interviewer der zeitgleich veröffentlichten vierten Irak-Umfrage von ARD, ABC, BBC und NHK bei wochenlangen Erhebungen das Gegenteil herausfanden – jeder zweite Iraker bejaht den Einmarsch der Amerikaner, fast 60 Prozent halten Anschläge auf US-Truppen für nicht gerechtfertigt – wird von seinem journalistischen Jubelchor geflissentlich ausgeblendet.
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Angenommen, ein rentenreifer Iraker, nennen wir ihn Saddam H., reiste mit der zu allem entschlossenen Absicht, endlich „die Wahrheit herauszubekommen“ (O-Ton J. Todenhöfer am 3. März 2008 bei 3sat), nach Deutschland, sagen wir: nach Wanne-Eickel. Dort findet er Unterschlupf bei einer Familie, die dafür bekannt ist, daß sie an den gegenwärtigen politischen Zuständen ihres Landes kein gutes Haar läßt und dem Besucher dann auch prompt fünf Tage lang, unterstützt vom A-Capella-Chor gleichgesinnter Nachbarn, Bekannten und einschlägig beleumdeten „Experten“, exakt die Klagelieder über ihr Land vorsingt, die zu hören der Zweck seiner Reise war.
Wieder zu Hause, konfrontiert unser Reisender seine schockstarren Landsleute (sowie den Rest der Welt) in TV- und Radiosendern, Printmedien und Internetportalen, Kinospots, Anzeigenkampagnen und landesweiten Plakatierungen mit einem Megagau medialer Desinformation: „He, Leute, die Journaille hat euch fünf Jahre lang ein total gefaktes Bild aufgetischt. Deutschland, die gesamte westliche Welt ist ganz anders, als sie von den Medien dargestellt wird. Ich habe ganze fünf Tage gebraucht, um die Wahrheit herauszufinden. Hier ist sie!“
Wetten, daß unserer naßforscher Reisender vom medialen Echo auf seine „Wahrheit“ – in der es vor Voreingenommenheit, Widersprüchen, Klitterungen, Zurechtbiegungen und Faktenvergewaltigungen nur so quietscht –, über Nacht zur peinlichen Lachnummer geschrumpft wäre.
Doch leider befinden wir uns nicht im Irak. Sondern in einem Land, dessen Medien beim Thema „Krieg“, vulgo „Irakkrieg“ mittlerweile sämtliche professionellen Sicherungen durchgebrannt sind. Und so durchleiden wir einmal mehr das belämmernde Trauerspiel, wie ein ganzer Berufstand angesichts einer von jedweden Skrupeln und Differenzierungen unbehelligten globalen PR-Kampagne eines egomanischen Zeitgeistprofiteurs als Stichwortgeber, Mikrofonhalter und rezensierende Zuatmer handwerklich bankrott geht.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" etwa nennt Todenhöfer "einen Mann der Zahlen"? Die Wahrheit ist, daß "der gepflegte ewige Student" mit Zahlen entlarvend auf Kriegsfuß steht. So behauptet er, seit Beginn des Irakkrieges seien "1,2 Millionen Zivilisten" getötet worden (fr-online, 19.03.2008) und nennt als Quelle für seine alle bisherigen Hochrechnungen ums Vielfache übersteigende Horrorzahl "das unabhängige britische Forschungsinstitut ORB". Abgesehen davon, daß sich das angebliche Forschungsinstitut als stinknormale Marketingfirma entpuppt ("Cinema Advertising", "Financial Services") -, in seinem antiamerikanische Furor hat Zahlenakrobat T. geflissentlich darüber hinweggesehen, daß die Londoner Marketingleute ihre wissenschaftlich mehr als fragwürdige Hochrechnung mittlerweile um fast 200 000 Tote nach unten korrigiert haben.
Schlimmer noch: Während die Londoner jeden zweiten Toten terroristischen Anschlägen bzw. unklaren Ursachen zurechnen, schiebt Todenhöfer, wie er auf dem "Blauen Sofa" der Leipziger Buchmesse offenbarte, seine 1,2 Millionen Ziviltoten komplett den "150 000 amerikanischen offiziellen Soldaten" sowie "150 00 outgesourcten privaten Soldaten" in die Schuhe. Denn merke: Diese "300 000 Mann kämpfen nach wie vor gegen die irakische Bevölkerung".
Gebetsmühlenhaft darf Fünf-Tage-Tourist T., wie immer von kritischen Fragen unbehelligt, auf sämtlichen Kanälen posaunen, „die Amerikaner“ hätten bei der Bevölkerung nicht nur „jede Sympathie verloren“, auch die „Zustimmung zum Widerstand“ nehme „täglich zu“. Daß 150 professionelle Interviewer der zeitgleich veröffentlichten vierten Irak-Umfrage von ARD, ABC, BBC und NHK bei wochenlangen Erhebungen das Gegenteil herausfanden – jeder zweite Iraker bejaht den Einmarsch der Amerikaner, fast 60 Prozent halten Anschläge auf US-Truppen für nicht gerechtfertigt – wird von seinem journalistischen Jubelchor geflissentlich ausgeblendet.
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