Donnerstag, 15. März 2012

Da wurde es Tag - Jubel und Jammer der Liebe

Owê, sol aber mir iemer mê        
geliuhten dur die naht                  
noch wîzer danne ein snê            
ir lîp vil wol geslaht?                    
der trouc diu ougen mîn:
ich wânde, ez solde sîn
des liehten mânen schîn,
dô taget ez.

Owê, sol aber er iemer mê        
den morgen hie betagen?          
als uns diu naht engê,                  
daz wir niht durfen klagen:        
"owê, nu ist ez tac",                    
als er mit klage pflac
do'r jungest bî mir lac,
dô taget ez.

Owê, si kuste âne zal                  
in deme slâfe mich.                      
dô vielen hin ze tal                      
ir trêne nicersich,                        
iedoch getrôste ich sî,
daz si ir weinen lî
und mich al ummevî.
dô taget ez.

Owê, daz er sô dicke sich          
bî mir ersêen hât!                      
als er endahte mich,                    
sô wolte er sunder wât                
min arme schouwen blôz.
ez was ein wunder grôz
daz in des nie verdrôz.
dô taget ez.

Heinrich von Morungen
Frankfurter Anthologie, Peter von Matt
FAZ 16. Oktober 2010 Nr 241

Der Mann: O weh, soll mir denn nie mehr durch die Nacht leuchten ihr schöngeformter Leib, weißer als Schnee? Er betrog meine Augen, denn ich glaubte, es sei der Schein des hellen Mondes.
Da wurde es Tag.

Die Frau: O weh, wird er nie mehr bis zum Morgen hierbleiben?  Ach möchte doch einmal die Nacht so vergehen, dass wir nicht klagen  müssen: O weh, jetzt ist es Tag, wie er es klagend tat, als er jüngst bei mir lag.
Da wurde es Tag.

Der Mann: O weh, sie küsste mich unzählige Male im Schlaf, und ihreTränen fielen auf mich nieder. Doch ich tröstete sie, dass sie das Weinen  ließ und mich ganz umfing.
Da wurde es Tag.

Die Frau: O weh, dass er sich so oft in meinen Anblick verloren hat! Als er die Decke von mir zog, wollte er mich Arme ohne Kleider sehen, ganz entblößt. Ein großes Wunder war's, dass er dessen nie müde ward.
Da wurde es Tag.

Mittwoch, 14. März 2012

Endoscopic Transgastric vs Surgical Necrosectomy for Infected Necrotizing Pancreatitis

 Most patients with infected necrotizing pancreatitis require necrosectomy. Surgical necrosectomy induces a proinflammatory response and is associated with a high complication rate. Endoscopic transgastric necrosectomy, a form of natural orifice transluminal endoscopic surgery, may reduce the proinflammatory response and reduce complications. Mehr

Im Musée Carnavalet...

...findet man alles, was es über die Geschichte von Paris zu wissen gibt...
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Dienstag, 13. März 2012

Wann wird Israel Frieden finden, Herr Grossmann?


...Wie finden Sie die Charaktere für Ihre Bücher? Ist es mit jedem Buch anders?
Ja, es ist anders mit jedem Buch, mit jeder Figur. Es beginnt damit, dass ich die Figur vor mir sehen muss. Manchmal stecke ich monatelang fest, weil ich nicht weiß, wie jemand, über den ich schreibe, aussieht. Ich erinnere mich zum Beispiel an "Wohin du mich führst" . . .

Montag, 12. März 2012

Drei-Affen-Übung - Oder: Wer will das schon wissen?

...dass in deutschen Ställen jedes Jahr mehr als 800 Tonnen Antibiotika verfüttert werden...


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Eisenbahngleichnis

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus, wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug.
Und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft. Ein andrer klagt.
Der dritte redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus. Wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür hinein
und lächelt vor sich hin.

Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus. Die Mutter schreit.
Die Toten stehen stumm,
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit.
Und niemand weiß, warum.

Die erste Klasse ist fast leer.
Ein dicker Mensch sitzt stolz,
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und fühlt das sehr.
Die Menschheit sitzt auf Holz.

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in Spe.
Wir sehen hinaus, wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug.
Und viele im falschen Coupé.

Erich Kästner
Frankfurter Anthologie
FAZ 2. Oktober 2010 Nr 229